Ganzheitliche Strategie statt Lockdown-Harakiri

„Ab dem kommenden Mittwoch sind wir da, wo wir schon vor neun Monaten waren: ein kompletter Lockdown. Die Politik hat es seit dem nicht geschafft, eine durchhaltbare Strategie gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Vor allem Risikogruppen werden nicht ausreichend geschützt. Nach wie vor gibt es beispielsweise keine kostenlosen Schnelltests an Pflegeheimen und Krankenhäusern für Personal und Besucher. Eine simple aber effiziente Strategie, die größten und gefährlichsten Hotspots zu garnicht erst entstehen zu lassen. Stattdessen werden der komplette Einzelhandel, die Gastronomie und viele weitere Branchen nachhaltig geschädigt, die monatelang in ausgereifte Hygienekonzepte investiert haben.
Die Maßnahmen werden zum Schutz der Gesundheit verhangen. Man muss aber auch auf die andere Seite der Medaille schauen. Neben den enormen wirtschaftlichen Schäden werden die Maßnahmen auch mittel- bis langfristige gesundheitliche Schäden hervorrufen. Menschen mit psychologischen Problemen, Suchtkranke, Frauen die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind und viele weitere Gruppen erleben aktuell die denkbar schwersten Monate. Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen ohne Zugang zu digitalen Bildungsangeboten werden es noch schwierig haben.
Und auch der internationale Blick über den Tellerrand lässt einen erschrecken. Laut Angaben der Welthungerhilfe könnten die Folgen der Corona-Pandemie 30 Millionen Hungertote weltweit hervorrufen. Bei allen Maßnahmen die verhangen werden, muss genau abgewogen werden, was die positiven und die negativen Folgen sind. Die aktuellen Maßnahmen gelten bis zum 10. Januar. Es ist höchstwahrscheinlich, dass sie noch weit darüber hinaus verlängert werden. Wir brauchen eine Strategie, bei der Risikogruppen deutlich effektiver geschützt werden und die Schäden für die Gesellschaft so gering wie möglich ausfallen. Wenn wir uns von einem Lockdown zum nächsten hangeln, wird es bald kein Vertrauen mehr in der Bevölkerung geben“, so Andreas Silbersack.